Montag, 22. September 2014

HUNDELIEBE | Wenn ein Welpe ins Haus kommt ... Teil 2

So hier folgt nun der zweite Teil zu diesem Thema, denn jetzt ist der Welpe ja bei dir zuhause angekommen (Teil 1 findest du in diesem Post). Oder noch nicht ganz.



Nachdem wir Lilly erworben hatten (Geld, Pass austauschen, etc.) kam unsere erste gemeinsame Autofahrt. Ich hatte damals einen kleinen Wäschekorb mitgenommen und ein Handtuch reingelegt (falls die kleine Maus mal zwischendurch Pippi machen muss oder so). Dann haben wir Lilly draufgesetzt und den ganzen Korb mit  der Decke, an dem der Geruch ihrer Mama war, abgedeckt. Die Idee war, ihr ein warmes dunkles Nest zu bieten, in dem sie sich geborgen fühlen kann und dass noch irgendwie vertraut riecht.

Denn wir hatte sie ja gerade von ihrer Mama, ihrer Schwester und ihrer bisher gewohnten Umgebung getrennt. Ab jetzt würde ja alles anders, neu und ungewohnt sein!

Immer wenn sie leise fiepte, habe ich meine Hand in den Korb gestreckt und sie ein wenig gestreichelt. Das hat sie beruhigt und sie hörte dann auf.

Aber nicht nur für Lilly würde sich alles ändern, sondern auch für uns. Unser Leben würde mit ihr ein anderes sein. Nicht mehr ganz so flexibel und spontan. Ich fühlte mich, als hätte ich gerade ein Kind bekommen. Nur ohne Schwangerschaft und Geburt. Überströmende Liebe zu diesem kleinen Wesen erfüllte uns und das Versprechen, immer für sie da zu sein und sie zu beschützen. Hört sich vielleicht komisch an, war aber so. Punkt. :-)

Zuhause angekommen, haben wir uns erst einmal ganz viel Zeit und vor allem Ruhe genommen. Das war ganz wichtig, um ihr auch die Angst zu nehmen. Also kein großer Empfang mit Freunden und Familie, nur Papa + Mama (auch gerne das neue Rudel genannt) und der Welpe (Lilly)...:-). Wir haben ihr gezeigt, wo Wasser und Futter steht und sie dann erst einmal ein wenig rumlaufen lassen, ihre neue Gegend erkundend. Und weil das alles schon so aufregend für sie war, haben wir sie bald wieder in den Korb gesetzt, wo sie dann sofort wieder eingeschlafen ist.
Wundert euch nicht, wenn der kleine Welpe nicht sofort trinkt und isst, sondern erst einmal ein Bächlein in die Wohnung macht. Es ist halt alles neu und man muss sich ja erst einmal daran gewöhnen. Und in klein wenig Angst hat man trotz aller Neugier ja auch.

Und jetzt ist sie da - deine einmalige Chance, den Hund so zu erziehen, wie man ihn haben möchte und wie er in dein Leben passen soll. Man macht Vieles intuitiv richtig, kann aber auch Einiges grundlegend falsch machen und so manche Dinge weiß man eigentlich besser, tut es aber trotzdem. Daher ist es total wichtig - und das wiederhole ich auch immer wieder gerne - sich vor der Anschaffung eines Welpen umfassend zu informieren und sich viele Gedanken zu machen. 
Bevor ich jetzt hier weiter Romane schreiben und wir bei "Wenn ein Welpe ins Haus kommt...Teil 10" landen, kürze ich die für uns wichtigen Dinge einmal stichpunktartig ab:

  • Schlafplatz/Körbchen: Die erste Zeit hat Lilly in ihrem Wäschekorb neben meinem Bett verbracht. Hat sie dann Nachts das "Heimweh" übermannt und es kamen traurige Fiepser aus dem Körbchen, dann habe ich meine Hand aus dem Bett hängen lassen, direkt ins Körbchen und die Nachtruhe war wieder hergestellt, vorerst. Später hat sie dann unser Bett als Schlafstätte erobert. Aber dazu später mehr.
  • Stubenrein: Ich will euch nichts vormachen, das dauert! In den ersten Wochen sind wir ca. alle 2 Stunden mit Lilly nach draußen gegangen, auch Nachts! Jaaaaa, da habe ich mir den Wecker gestellt und bei Wind und Wetter auf der Wiese gestanden. Manchmal erfolgreich, manchmal nicht. Außerdem haben wir sie beobachtet und wenn sie Anstalten machte, sich hinzuhocken, dann haben wir sie gleich auf den Arm genommen und nach Draußen gebracht. Hat das mal nicht geklappt und du findest kleine Pfützen oder größere Hinterlassenschaften ... nicht schimpfen!!!! Und auch nicht die Nase reinstoßen....iihhhh! Mach es weg und halt den Mund. Vielleicht liegt es schon länger da und dann kann der Welpe dich erst recht nicht verstehen oder es mit seinem "Vergehen" in Verbindung bringen. Mit Geduld und Fürsorge klappt es besser. Die Abstände, wann du nach draußen musst, werden größer und irgendwann habt ihr dann euren Rhythmus gefunden.
  • Futter: Wir haben mit Welpenfutter gefüttert. Erst das, was wir beim Kauf mitbekommen haben, später ein anderes, welches ich besser fand. Das haben wir vorher immer mal untergemischt, damit der Wechsel nicht so abrupt für den kleinen Magen war. Wie lange man Welpenfutter füttert und oder wie und was man überhaupt füttert...da gehen die Meinung ganz gravierend auseinander, daher halte ich mich an dieser Stelle mal zurück. Da müsst ihr euch informieren und selber entscheiden. Wir füttern übrigens zweimal täglich, morgens und abends. Hat Lilly den Tag über viele "Leckerchen" bekommen, fällt die Abendration etwas schmaler aus. Denn auch bei Hunden macht Übergewicht krank. Nüsse, Schokolade, Avocado, Knoblauch - absolutes Tabu für Hunde, weil giftig! Es gibt noch mehr Lebensmittel und Pflanzen, die der Hund nicht verträgt. Erkundige dich bitte!
  • Tierarzt: Nachdem wir Lilly abgeholt hatten, bin ich innerhalb der ersten Wochemit ihr zum Tierarzt gegangen. Das war auch gut so, gerade wenn man den Hund von privat hat, so wie wir (siehe erster Post). Einfach nochmal checken lassen, ob alle notwendigen Impfungen vorhanden sind, bzgl. Wurmkur vorsorgen und ggf. chippen lassen. Den vom Vorbesitzer erhaltenen Pass unbedingt mitnehmen und vorzeigen. Übrigens: Nicht jeder Tierarzt ist gleich. Holt euch aus eurem Bekanntenkreis Empfehlungen. Auch dein eigenes "Bauchgefühl" kann ein wertvoller Hinweisgeber sein. Hast du kein gutes Gefühl bei Tierarzt, dann wechsel besser. Schön ist auch, wenn man eine Praxis mit Internetauftritt findet, das hilft auch für den ersten Eindruck.
  • Pflege: Ganz wichtiges Thema! Nicht nur für die Optik, auch für die Gesundheit!
    • Lilly hat sehr feines, weiches, längeres Fell und kein Unterfell. Sie "haart" auch nicht, oder nur ganz minimal. Für mich heißt das: jeden Morgen 5-7 Minuten kämmen. Seitdem ich das mache, habe ich auch keine Probleme mehr mit Knötchen oder Verfilzungen. Es gibt auch gute Bürsten, Kämme und Entfilzer im Fachhandel, die hilfreich sind. Außerdem ist ihr Fell weiß. Ich bade sie je nach "Schmuddel-Grad" alle 14 Tage oder später. Dazu verwende ich eine spezielle Seife für Hunde, rein pflanzlich und aus ätherischen Ölen. Warum? Lilly hat eine Allergie gegen Hausstaub und Pflanzenpollen und das äußert sich mit akuter Atemnot und Erstickungsanfällen. Je sauberer ihr Fell ist, umso geringer ist die Chance für einen Anfall. Und glaubt mir, dafür tut man so Einiges!
    • Ist euch die Fellpflege zu viel und/oder muss das Fell mal gekürzt werden - ist ja auch stark rasseabhängig - dann geht bitte zu einem Hundefriseur. Ehrlich, tut euch und dem Hund den Gefallen, das Geld ist es wirklich wert und es ist für alle stressfreier! Auch wenn es ein Labrador, Golden Retriever, Schäferhund, etc. mit kurzem Fell ist. Das "Entwollen" sollte bei Hunden mit doppeltem Haarkleid jeweils zum Fellwechsel vorgenommen werden. Es schafft Platz für neue Haare und dadurch glänzt das Fell wieder. Außerdem kann sich der Hund dadurch im Sommer und Winter besser an die Temperaturen angleichen. Und es führt zu 90% (!!) weniger Haarverlust - und das ist doch mal ein Grund! Auch unter den Hundefriseuren gibt es natürlich Fachleute und weniger ausgebildete Personen. Da hilft nur recherchieren und ausprobieren. Sieht euer Fiffi hinter wie ein gerupftes Huhn aus...sucht lieber eine Alternative...
    • Außerdem finde ich die Zahnpflege sehr wichtig. Kauknochen helfen, aber regelmäßiges Zähneputzen ist auch sehr gut. Im Fachhandel gibt es praktische Hundezahnbürsten oder Fingerlinge und Zahnpasta mit Leberwurstgeschmack - gut, oder? Kleine Hunde haben übrigens schneller Zahnstein, als Größere. Zahnstein muss beim Tierarzt unter Narkose entfernt werden. Und wenn man ihn vermeiden kann, dann schont das a) den Hund und b) deinen Geldbeutel. 
    • Lilly hat rassebedingt einen ständigen Tränenfluss. Ich sorge dafür, dass die Tränendrüsen nicht verstopfen und entferne kleine Ablagerungen sofort. Augen- und Ohrenpflege, sowie Ballen- und Krallenpflege macht der gute Hundefriseur gleich mit.
    • Gegen Zecken und Ungeziefer ist man natürlich nie gefeit. Aber eine gute und regelmäßige Fellpflege kann da schon vorbeugen. Sobald der Frühling naht, kaufe ich beim Tierarzt ein Zeckenhalsband, dass auch vor Flöhen und anderen Insekten (wichtig, wenn du deinen Liebling mit in den Strand-Urlaub nehmen möchtest) schützt. Es ist zwar etwas teurer, dafür hat die Lilly aber eine halbes Jahr lang keine einzige Zecke am Körper und ist auch in Spanien vor kleinen Biestern sicherer. Sollte doch mal eine Zecke am Körper sein, gibt es im Handel so kleine Zangen, mit denen man die Zecke "rausdrehen" kann. Für alles andere hilft nur ein Besuch beim Tierarzt.
Warum erzähle ich euch das alles? Das Wohl eines Hundes liegt mir wirklich sehr am Herzen (schon gemerkt? :-)). Der Hund spricht ja nicht mit uns, zumindest nicht so, dass man ihn auf Anhieb versteht. Darum finde ich, das eine enge Bindung zu einem Hund sehr wichtig und förderlich für die Hund-Hundebesitzer-Beziehung ist und helfen kann.

Als Lilly zu uns kam habe ich mir 10 Tage Urlaub genommen. Nur so konnte ich sicherstellen, dass ich ihr in den ersten Tagen bei uns genügend Sicherheit und Fürsorge mitgeben konnte. Sie sollte vor allem Vertrauen aufbauen. Wir haben spielerisch die Wohnung erkundet, erste kleine Spaziergänge an der Leine gemacht (hat nicht so super gut funktioniert), andere Hunde kennengelernt (eine bis heute andauernde Hundeliebe zur Labradorhündin meiner Schwägerin ist entstanden) und ganz viel geschlafen, weil das alles (uns beide!) ganz müde gemacht hat (vor allem der nächtliche Schlafentzug  - so stelle ich mir das mit einem Baby vor).






Ich kann euch nur empfehlen, den kleinen Welpen in der ersten Zeit nicht zu überfordern, weil ihm Vieles noch Angst macht und er dich auch erst einmal kennen und einschätzen lernen muss. Also gib ihm Sicherheit und zeige ihm, das er dir vertrauen kann. Es ist keine gute Idee - und ich spreche aus Erfahrung - ihm den Wellengang auf einem Wasserbett zu zeigen. Du kannst garantiert nachher das komplette Bettzeug wechseln und den Überzug in die Reinigung bringen.

Eine gute Idee ist allerdings, den Welpen spielerisch an Tierarzt und Hundefriseur zu gewöhnen. Ich habe dazu Lilly auf unseren Esstisch gesetzt (ein Handtuch drunter) und sie so 1) an die Höhe gewöhnt. Durch langsames Kämmen und Bürsten konnte ich 2) nicht nur ihr Fell pflegen, sondern sie auch daran gewöhnen, überall angefasst zu werden. Wenn wir mit einem Spielzeug gespielt haben und sie dabei meine Finger erwischt hat oder auf meiner Hand kauen wollte, habe ich immer laut gequieckt und sie hat sofort losgelassen. Das machen Hunde unter sich auch so. Du tust mir weh, also quicke ich und du lässt los. So hat sie gelernt, 3) Menschen nicht zu beißen. Auch nicht bei der Zahnpflege ... ihr müsstest Lilly mal sehen, wie sie sich dabei windet...:-)

Nach den 10 Tagen Urlaub hat mein Schatz Lilly dann tagsüber bei sich im Büro gehabt und konnte so auf sie Aufpassen. Da konnte sie sich gleich an unseren Pflege- und Erziehungs-Rhythmus (morgens ich, tagsüber mein Schatz, abends ich) anpassen. Hat auch super geklappt!! Dank meinem Schatz, der sich wirklich rührend um unsere Kleine kümmert und der sie genauso am Herzen liegt, wie mir. 

Ach Mensch - da wird man beim Schreiben richtig nostalgisch. Und beim Durchsehen der alten Bilder erst Recht. Diese kleine Maus...so süß!

Aber es bleiben noch genug Themen für den nächsten Teil. Denn dann erzähle ich euch u. a. von Milchzähnen, der Hundeschule und unserem ersten Weihnachten.

Ich wünsche euch eine zauberhafte Woche!
Liebe Grüße,
Rahel

PS: Auch bei diesem Post gilt - es sind unsere Erlebnisse und Erfahrungen mit unserem Hund. Das passt nicht bei jedem und für jeden Hund. Daher recherchiert und informiert euch bitte oder lasst euch professionell beraten. 





Kommentare:

  1. Sehr interessant! Hat wirklich Spaß gemacht das alles zu lesen.
    Die ersten Tage mit so eine kleine Maus, das muss ja so schön sein und gleichzeitig auch anstrengend, viel lernen, sich gegenseitig verstehen...

    Ich wünsche dir einen schönen Abend, Rahel!
    Liebe Grüße

    Dagi

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Dagi,
    ja stimmt! Super schön und spannend, aber auch angenehmen anstrenged. Macht auf jeden Fall tierisch viel Spaß und ist total süß! :-)
    Liebe Grüße, Rahel

    AntwortenLöschen
  3. ach gottchen ist dieses kleine Wesen zuckersüß. Das muss man doch einfach gerne haben. Ich würde wohl den ganzen Tag mit ihr kuscheln und sie knuddeln. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir vor 4 Jahren den Bambi bekommen haben. Meine Schwester hat ihn gekauft, als wir im Urlaub waren- das war vielleicht eine Tragödie. Und dann ein Jahr später kam Feline dazu, damit Bambi nicht immer so einsam ist, wenn er tagsüber allein ist. Und wohl keiner hätte gedacht, dass sich die beiden sooo gut verstehen.- Ein Herz und eine Seele. ;)
    Genießt die Zeit mit der kleinen Lilly. Sie sind leider nicht ewig so kuschel- und spielsüchtig. ;)
    LG, Martina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du hast vollkommen Recht, liebe Martina! Meine "Kleine" ist ja jetzt auch schon 5 Jahre alt und so richtig kuschel und spielen mag sie auch nicht mehr, bzw. nur noch dann, wie sie will....LG, Rahel

      Löschen

Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst und mir ein liebes Wort oder einen schönen Kommentar da läßt. Darüber freue ich mich sehr!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...