Sonntag, 26. Oktober 2014

HUNDELIEBE | INTERVIEW: Beim Züchter nachgefragt

Manchmal begegnet man sich im Leben ja wirklich zweimal. Als ich Nicole vor Jahren beruflich kennenlernte, wäre uns vermutlich nie in den Sinn gekommen, dass uns mal unsere HUNDELIEBE verbinden würde. Vor Kurzem haben wir uns im WWW wiedergetroffen und siehe da...Nicole züchtet jetzt sogar Labradore. So richtig professionel und mit ganz viel Herzblut.
Das hat mich wirklich beeindruckt und ich habe Nicole angesprochen, ob sie nicht Lust auf ein kleines Interview hätte. Die HUNDELIEBE aus Sicht eines Züchters - pardon - einer Züchterin zu sehen, hat mich sehr interessiert. Um so mehr freue ich mich, dass Nicole "ja" gesagt hat.

Und hier kommt es - das erste HIMMELSSTÜCK Interview:

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Liebe Nicole,

eure HUNDELIEBE hat dich und deinen Mann zu Labradoren geführt. Vor einigen Jahren habt ihr euch sogar euren Wunschtraum erfüllt und eine Züchtung angefangen. 





Es gibt so viele Hunderassen. Warum mussten es bei euch Labradore sein?
"Wir haben uns im Vorfeld natürlich über die einzelnen Rassen informiert. Dank Internet ist das heute ja ganz einfach. Für mich musste Hund einfach eine gewisse Größe haben. Von der Optik kamen schon ein paar Rassen in Frage, wir haben dann nach persönlichen Vorlieben abgewägt (Jagdtrieb, Fellkleid, Anlagen, usw.). Und wir suchten nach einem Begleiter, der menschenfreundlich ist (Kinder!) und den man überall hin mitnehmen kann. Ein robuster Hund sollte es sein, mit dem man auch durch die Wälder streifen kann. Die Rasse Labrador Retrier vereint das alles und daher haben wir uns für sie entschieden. Die eigentliche Arbeit mit der Rasse kam für uns erst später - da haben wir uns zusammen mit unseren Hunden immer weiter entwickelt. Die Labrador Retriever sind Jagdhunde und Meister im Apportieren. Sie arbeiten gerne - ob nun tatsächlich jagdlich mit Wild oder mit den sogenannten Dummys."


Eine professionelle Züchtung anzufangen ist ein riesiges Projekt. Warum lag es euch so am Herzen?
"Wir waren von Anfang an von der Rasse begeistert. Als unser zweiter Labrador bei uns einzog (unsere erste Hündin bekamen wir im Alter von 10 Monaten), hat uns das Fieber gepackt. Die regelmäßigen Besuche beim Züchter haben uns weitreichende Einblicke in die Züchterwelt gegeben. Von der Wurfplanung über die Geburt, die Welpenaufzucht und die Ausbildung der Hunde. Wir interessierten uns für die einzelnen(Blut)Linien und sind mehr und mehr in die Tiefen der Hundezucht gelangt. Im Laufe der Zeit haben wir uns viel Wissen angeeignet und der Wissensdurst ist nocht nicht gestillt. Es war und ist insgesamt eine Entwicklung, die wir im Laufe der Zeit durchlebt haben und durchleben - angetrieben von der Liebe zu der Rasse.
Man kann sagen, wir haben unseren Traum wahr gemacht und sind sehr glücklich damit. Es war und ist nicht immer leicht in der Hundezucht, aber für uns lohnt sich jeder einzelne "Kampf"!"

Welpen in ein neues Zuhause abzugeben, stelle ich mir ganz schön schwer vor. Was sind deine Kriterien für einen guten Hundehalter?
"Ja, liebe Rahel, da sprichst Du ein sehr schwieriges und emotionales Thema an! Wenn man bedenkt, dass man diesen kleinen Wesen den Weg ins Leben in unsere große Welt ebnet, sie 8 Wochen hegt und pflegt, sich Sorgen macht, sich die Nächte um die Ohren schlägt und alles tut, damit die Welpen zum Auszug in diese Welt einen guten Start haben, so liegt es einem natürlich sehr am Herzen, die besten Welpeneltern zu finden.
All' das nimmt ein Züchter, der aus Liebe züchtet, gerne in Kauf - sehr gerne sogar! Aber zurück zu Deiner eigentlichen Frage...
Für uns sind mehrere Kriterien entscheidend. Wir wünschen uns immer einen persönlichen Kontakt im Vorfeld. Welpenbesuche ab der vierten Lebenswoche sind bei uns Pflicht - und zwar mit der ganzen Familie. Wir wollen so sicher stellen, dass sich auch alle Familienmitglieder diesen Hund wünschen.
Dann ist für uns noch die Wohnlage wichtig. Einem Labrador tut man in einem Wohnblock im 27. Stock (übertrieben gesprochen) keinen Gefallen. Ebenfalls ein wichtiger Aspekt - wie lange muss der Hund max. pro Tag  alleine sein? Gibt es Kinder und wie alt sind diese? Ein Labradorrüde kann schon mal 40 kg auf die Waage bringen und das Zusammentreffen mit einem Kleinkind ist dann sicherlich nicht vorteilhaft. Und ganz wichtig: Ist man bereit, sein gesamtes Leben auf den Kopf zu stellen und sich auch nach dem Hund auszurichten?
 Wir haben es selbst erlebt, zu Beginn unserer Hundeliebe.  Der Labrador liebt "seine" Menschen und möchte/sollte immer einen großen Teil mit "seinen" Menschen erleben. Zusammen erleben!
So wünschen wir es uns, weil wir es auch so leben, erleben und unsere Tiere lieben."

Oh Nicole - jetzt hab ich wirklich eine Gänsehaut und ein wenig "Wasser" in den Augen. Schnell weiter im Text...


Das Thema „Wühltischwelpen“ ist ja ganzjährig aktuell, aber gerade vor Weihnachten sehr wichtig.
Wie lautet dein Rat in dieser Sache?
"Oh ja, sehr brisant und immer wieder in den Medien zu finden. Der Verband des deutschen Hundewesen (VDH) engagiert sich diesbezüglich sehr und unterstützt auch seine Züchter!
Ist der Entschluß gefasst, dass ein Hund das Leben bereichern soll, so rate ich dringend, sich an einen Züchter zu wenden, der in einem Zuchtverband züchtet.
In unserem Fall ist das der Labrador Club Deutschland e. V. Der LCD z. B. unterliegt dem VDH und wir müssen zum Wohl der Tiere  eine Zuchtordnung einhalten. Und um die Rasse rein und gesund zu halten. Es gibt z. B. vorgeschriebene Gentests, die durchzuführen sind, sofern Zuchteinsatz gewünscht ist. Beim Labrador müssen z. B. im Alter von ca. einem Jahr die Hüften und Ellenbogen geröngt werden, etc. etc. Da will ich aber nicht so in die Tiefe gehen. Kurz um, bis ein Labrador die Zuchtzulassung erhalten kann, vergeht einige Zeit. Und wir investieren viel, bis der Hund tatsächlich zuchttauglich ist.
In unserer "Geiz-ist-geil-Gesellschaft" denken viele Leute, warum 1.500 Euro bezahlen, wenn ich einen reinrassigen Hund auch für 500 Euro bekommen kann? Leider. leider bleibt es meist nicht dabei, da man mit immensen Tierarztkosten rechnen muss. Ich spreche hier von Extremen!
Die Mutterhündin muss Welpen produzieren, bis sie zu alt ist. Von den Elterntieren gibt es keine gesundheitlichen Erkenntnisse. Die Welpen sind nicht geimpft und entwurmt, müssen oft viel zu früh von ihrer Mutter weg.
In den Medien wird immer wieder davon berichtet und ein TV-Anwalt hat zusammen mit Co-Autoren sogar ein Buch veröffentlicht. Ich finde es sehr lesenswert, aber auch sehr traurig. Mich persönlich hat dieses Buch auch sehr verärgert - weil der Hund in den Erzählungen nur als Mittel zum Zweck gesehen wird.
Wir können nur raten, den vermeintlichen Züchter/Anbieter auf Haut und Knochen zu prüfen, sich die Papiere der Eltern - speziell der Mutter - im Detail zeigen zu lassen. Unbedingt die Mutter ansehen! Ist sie in einem guten Ernährungszustand und gut gelaunt? Wie reagiert sie auf Besuch? Ist die Zuchtstätte sauber und machen die Welpen einen agilen Eindruck? Dem Züchter/Anbieter sollten auch durchaus viele Fragen an den neuen Hundehalter gestattet sein. Das zeigt auch sein Interesse daran, dass er für seinen Nachwuchs die besten Welpeneltern sucht und nicht das schnelle Geld.
Sollte der Züchter/Anbieter gleich mehrere Rassen züchten und immer Welpen anbieten, so könnten man darauf schließen, dass die Hündinnen für schnelles Geld als Gebärmaschinen genutzt werden.
Um dem Vorzubeugen, kann man sich über den VDH je nach Rasse auch Züchter in der Nähe auflisten lassen und bekommt gute Kriterien für die Züchterauswahl genannt."
Vielen Dank, dass du uns noch einmal die Brisanz dieses Themas näher gebracht hast. Zurück zu euren Hunden.


Was macht aus deiner Sicht einen guten Züchter aus?
"Ein guter Züchter plant mit Bedacht seine Verpaarungen. Die Zuchthündinnen haben immer wieder genug Zeit, sich nach einem Wurf zu erholen. Man hat eine bestimmte Strategie, die man verfolgt - bezogen auf die Linien, die man züchtet.
Aber im Grunde sollte natürlich das Zuchtziel sein, gesunde und wesensfeste Hunde zu züchten. Dazu gehört eine gute Prägung und Sozialisierung der Welpen.
Wie oben schon erwähnt, ist es uns ganz wichtig, die Welpen gut auf das Leben vorzubereiten. Vieles zu diesem Thema habe ich ja eben schon angesprochen - von der Ernährung der Hunde, über die saubere Zuchtstätte, Einhaltung von Impfungen, vorgeschriebenen Gentests und Untersuchungen (Röntgen, Augen etc. - je nach Rasse)."
  

Und was macht eure Hunde aus?
(Nicole lacht...) "Sieben Hunde zu betreuen und zu bespaßen ist oft sehr viel Arbeit und mit einem fulltime Job vergleichbar, aber wir möchten keinen unserer Gelblinge missen! Keine Liebe der Welt ist so ehrlich, wie die eines Hundes! Wenn er freudestrahlend an die Tür läuft, wenn man nach Hause kommt...
Jeder unserer Hunde ist auf seine besondere Art so liebenswert und lebensfroh. Sie strahlen vor Glück, wenn wir ins Feld gehen und sie durch die Matschepfützen rennen können. Gerade wieder sehr aktuell und zur großen Freude der Züchterin und ihres Autos...(lacht wieder). 
Aber wenn der Tag sich dann zum Ende neigt und der Abend eingeläutet wird, genießen wir die Kuschelstunden mit unseren Hunden gleichermaßen."  


Worauf sollte man auf jeden Fall vor dem Hundekauf achten – ob beim Züchter oder von Privat?
"Vieles dazu habe ich ja schon in den vorangegangenen Antworten erwähnt.
Wichtig ist, dass die Welpen nicht vor der achten Woche abgegeben werden. Das sie gechipt sind, regelmässig entwurmt wurden und - ganz wichtig - die nötigen Impfungen dem Alter entsprechend erhalten haben. Es ist mir immer wichtig, die Mutter der Welpen sehen zu können. Sie sollte nicht abgeschieden von Licht und frischer Luft in einem Schuppen leben. Sauberkeit in der Zuchtstätte ist sowieso klar! Sollte man sich für einen Züchter entscheiden, so würde ich mir immer die Gesundheitszeugnisse der Zuchthunde zeigen lassen. Abschließend sollten die Welpen einen fidelen, menschenfreundlichen und gesunden Eindruck machen."


Was wolltest du immer schon mal Hundehaltern sagen?
"Oh, wo fange ich da an?" (Nicole lacht wieder) "Auf unseren Spaziergängen erleben wir immer mal wieder nicht so schöne Begegnungen mit nicht angeleinten Hunden.
Oft sind wir mit mehreren Hunden gleichzeitig unterwegs. Davon mal ganz abgesehen, haben wir immer mal auch eine läufige Hündin mit dabei. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir unsere Hunde anleinen, wenn uns Mensch oder Mensch mit Hund entgegen kommt.
Wir würden uns wünschen, dass andere Hundehalter genauso verantwortungsbewusst handeln und ihren unangeleinten Hund nicht einfach los rennen lassen würden. Ich als Hundeführer habe dann den Stress, dass es kein Gerangel gibt oder gar Schlimmeres passiert. Ich kenne den frei laufenden Hund womöglich nicht und kann ihn auch nicht einschätzen. Und meine Hunde sind als gestandenes Rudel an der Leine und haben angeleint natürlich schlechtere Voraussetzungen.
Ich bin mal mit einer Hündin in der Standhitze angeleint spazieren gegangen. Ein mittelgroßer Rüde lief frei auf uns zu und Frauchen kam mit dem Auo hinterher. Das ist sowieso schon der Hammer! Auf jeden Fall hat dieser Rüde mich und meine Hündin penetriert und ich hatte große Probleme ihn abzuwehren. Von Frauchen im Auto war plötzlich nichts mehr zu sehen. Das hat mich sehr verärgert und ich konnte den aufdringlichen Rüden leider nur mit einem tüchtigen Tritt in den Allerwertesten abwehren.
So etwas halte ich seitens des Hundehalters für ein sehr bequemes und rücksichtsloses Verhalten. Bedauerlich, wenn es denn vorkommt.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von "Gemmed with stars".

Wenn man eure Webseite http://www.gemmed-with-stars.de/ aufruft, dann sieht man, dass ihr wirklich sehr viel Zeit, Geld und vor allem Liebe in eure Tiere investiert. Ihr habt ganz wundervolle Hunde! Und die Fotos beweisen, bei euch ist HUNDELIEBE wirklich eine „Herzensangelegenheit“!


Liebe Nicole – das war spitze!

Vielen lieben Dank für das Interview - es war mir eine große Freude!


Übrigens: Nicole postet auf ihrer Facebook-Seite auch immer tolle Bilder und News ihrer Lieblinge. Reinschauen lohnt sich! Besonders, weil es bald wieder Welpen gibt!

Kommentare:

  1. Hallo Rahel,
    ich liebe Hunde (am meisten natürlich den eigenen ;-) ) und freue mich sehr über diesen Post.
    In unsere Straße zieht Mitte November auch eine neue Fellnase ein. Ein Golden Doodle, soooo knuffig!

    Wünsch Dir einen schönen Sonntag,
    Moni

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  2. Liebe Rahel,
    wir haben nun schon seid über 7 Jahren
    unseren Labrador. Und ich muss immer
    wieder sagen die Zeit, Liebe und Arbeit die
    wir in unseren Hund gesteckt haben kommt
    1000 Fach zurück. Ich finde Labradore sind
    ganz wundervolle Hunde, ich möchte es keinen
    Tag mehr missen!
    Einen schönen Abend wünsch ich dir
    LG Sylke

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  3. Ein tolles Interview. Ich finde es immer wichtig, dass die Hunde gut aufwachsen, nicht überzüchtet und gesund sind. Hier merkt man richtig, da wir das ganze Herzblut reingesteckt und es freut mich, dass alle mit so viel Elan dabei sind. Es freut mich sehr für die Hunde und Besitzer, denn was Besseres kann man sich gar nicht wünschen.
    LG, Martina

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  4. Liebe Rahel,

    bei Nadines Hundezucht würde man sich gerne sein eigenes kleines flauschiges Gelblingstier aussuchen. Und das, wo ich ein Katzenmensch bin und Hunde immer etwas schmuddelig finde und ihren Geruch nicht ausstehen kann ;)
    Aber wenn ich jemals einen Hund haben wollen würde, dann müsste das einer aus gutem Hause sein. Aus Nadines zum Beispiel ;)

    Liebste Grüße,
    Stefanie

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    Antworten
    1. Liebste Stefanie - mit Nadine hatte ich kein Interview, aber mit Nicole...lach!
      Ich versteh dich aber auch so....grins

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    2. Liebe Stefanie.... ich behaupte jetzt mal ganz frech... meine/unsere Hunde "stinken" nicht! ;) Vielleicht riechen sie manchmal etwas, aber der wahre Liebe zu Hundeliebhaber empfindet das als "wohlriechend"! **schnellwegbin**
      LG Nicole

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  5. Was für ein niedliche und herzerwärmende Bilder. :-)

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Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst und mir ein liebes Wort oder einen schönen Kommentar da läßt. Darüber freue ich mich sehr!

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